Worldbuilding – Feiertage

Hohoho! Hereinspaziert, es ist Weihnachten! Und ihr wisst genau, was das heißt! Holt die roten Klamotten raus! Verkleidet euch als Weihnachtsmann! Setzt euch Kinder auf den Schoß und lasst euch von Eltern fotografieren, wie ihr sie anfasst, während sie weinen.

Creepy Santa
Eine Zuckerstange gibt es gratis dazu!

Aber um mal auf ein Thema zu kommen, was nichts mit meiner erneuten Verhaftung zu tun hat: Weihnachten. Achja, das Fest der aufgezwungen Liebe. Freut ihr auf die tausend Fragen, warum ihr noch keine Enkelkinder erzeugt habt oder warum ihr noch Single seid? Wollt ihr nicht auch Cousin Stefan wiedersehen und sein erfolgreiches, stabiles Erwachsenenleben betrachten? Seid ihr auch so aufgeregt, so zu tun, als ob das Geschenk unglaublich toll ist? Gott, ich weiß, ich bin es.

Present
„Hehe. Als ich die Socken sah, musste ich halt sofort an dich denken!“

Offensichtlich hat Weihnachten eine starke Wirkung auf uns. Wir freuen uns auf die Zweisamkeit mit unseren Liebsten, wir haben fast einen ganzen Monat gefüllt mit Vorfreunde und manch einer beschreibt die Stimmung als „weihnachtlich“. Kaum zu schweigen von den Ritualen… Weihnachtsbäume, Geschenke, ein imaginärer Freund für die Kinder und Menschen, die sich gegenseitig die Schuld zuweisen, bis einer heult… alles ist dabei.

Verschiedene Feiertage haben für vielerlei Menschen unterschiedliche Bedeutungen. Für manche ist es ein Moment, mit seiner Familie zusammenzukommen und eine schöne Zeit zu haben. Für andere ist es oberflächlicher Quatsch, den sie durchstehen müssen. Für uns Autoren ist das wundervoll. Wir können nämlich Feiertage dazu verwenden, unsere Charaktere näher zu beleuchten.

Belichten
Geben Sie es zu! Sie mögen den Valentinstag!

Kinderserien und Sitcoms haben oft Folgen, die auf bestimmte Feiertage abzielen, um oftmals die altbackene Moralen beizubringen, wie „niemand ist zu alt für Halloween“ oder „legt euren Familienhass am Weihnachten beiseite“.

Literarische Geschichten, die in der realen Welt spielen, tendieren hingegen merkwürdigerweise dazu, Feiertage auszulassen oder die ganze Geschichte auf den Feiertag zu beschränken. (Hach, Ebenezer Scrooge. Du wirst uns wohl nie los.)

Warum ist das so? Nun, zum einen haben Bücher ein anderes Format als Serien. Serien können sich Abstecher in Festtage erlauben, weil Folgen nicht zusammenhängend sind und ein Feiertag-Plot auf eine Folge begrenzt sein kann, ohne den Rest zu stören.

Bücher hingegen müssen von vorne bis hinten stimmen. Solange der Feiertag keine Funktion für den Gesamtplot erfüllt, hat er wenig Berechtigung erwähnt zu werden. Ach, wir müssen einen Mörder fangen? Das muss leider warten, ich feier gerade Ostern. Wir wollen eine Revolution anführen? Zu schade, meine Frau will, dass ich Valentinstag zu Hause bin. Diese Sachen lenken ab, sie sind langweilig, niemand will sie lesen.

Eine guter Planer kann jedoch die Feiertage für mehr Konflikt benutzen: Ein Mörder, der in einer beliebten Verkleidung durch die Massen streift, kann in einer Halloween-Party nicht so gut gefasst werden. Eine Revolution, die sich einen bestimmten Feiertag aussucht, hat den Vorteil, dass die Gegner abgelenkt sind und sich stärker an den Tag erinnern können. Kaum zu schweigen von dem Bombenanschlag an Silvester.

Freues Neues
Ähm… Frohes Neues?

Viel interessanter werden Feiertage jedoch erst, wenn man das Reich von Fantasy und Sci-Fi betritt. Auf einmal können sie eine weitere Funktion erfüllen: Worldbuilding.

Die einfachste Methode wäre es natürlich, menschliche Feiertage entsprechend anderes auf die neue Kultur anzuwenden. Es ist dann natürlich nicht mehr Weihnachten sondern plötzlich „Das Fest der Eiskönigin“, welches zufällig fast identisch gefeiert wird wie Weihnachten. Es ist nicht Ostern. Wir verstecken schließlich Swag und nicht Eier. Und es ist nicht Valentinstag, sondern „Ermorde alle Singles“-Tag. Na? Was sagen wir zu dieser Methode?

Langweilig
Genau!

Viel interessanter sind eigen erfundene Feiertage. Solltest du dich entschieden haben, deine Geschichte mit ein wenig kulturellem Pfeffer zu würzen, bevor du dich durch übermäßige Planung aus dem Fenster stürzt, versuche dich daran zu entsinnen, warum Feiertage in der echten Welt existieren.

A: Der Ursprung

Wie zur Hölle ist der Tag entstanden? Seid ihr einer Religion beigetreten, die für den dieser Tag von Bedeutung war? Wurde die Welt da erschaffen? Wurde ein Krieg beendet? Hat dein Bruder Fridolin du diesem Zeitpunkt Spaghetti gegen deine Haare geworfen? Der Ursprung kann noch so unbedeutend sein, solange genügend Leute den Anreiz an dem Tag sehen, um mitzumachen. Der Zeitpunkt, an dem es geschehen ist, ist genauso wichtig: Nur ein fest definierte Zeitspanne kann auch gefeiert werden, sie es jetzt ein bestimmtes Datum oder so etwas Verrücktes wie der dritte Schneesturm nach einem Vollmond. Seltener können auch ortspezifische Eigenschaften als Voraussetzung zum Fest benutzt werden wie zum Beispiel Nomaden-Stämme, die zum dritten Mal einen Wolfsrudel sehen etc.

B: Das Symbol

Was ist das Ziel des Feiertages? Soll das Fest daran erinnern, dass wir alle sterblich sind, und wir jeden Tag auskosten sollen? Ist es ein Zeichen für die menschliche Liebe? Ist ein eine Erinnerung an den Stolz, den Krieg überstanden zu haben?

Achtung! Manchmal hat ein Feiertag kein Symbol (oder es ist nicht klar definiert). Feiertage wie Halloween sind weniger durch die Bedeutung berühmt geworden, als vielmehr durch die Praxis. Es kann aber auch gut sein, dass manche Menschen ihre eigene Bedeutung in dem Fest sehen… wie zum Beispiel unbeschwerten Spaß.

Spaß
„Unbeschwerter Spaß“

C: Die Rituale

Eng verbunden mit dem Symbol stehen die Traditionen, die man für den Feiertag erschaffen hat. Meistens ist er eng mit dem Symbol verbunden, manchmal aber auch gar nicht. Je weiter dabei der Ursprung liegt, desto vielseitiger werden die Bräuche und desto weniger haben sie mit dem Ursprung zu tun. (Zum Beispiel: Der Weihnachtsmann). Ein Symbol kann vieles in Gedanken rufen. Liebe kann Geschenke hervorrufen oder sich mit Herzchen bemalen und rosafarbene Zuckerwatte in die Gegend werfen. Stolz kann euch dazu verleiten, einen Kampf auf Leben und Tod durchzuführen. Als Zeichen der Fruchtbarkeit können neue Ackerflächen bepflanzt werden… Oder man feiert einfach sofort eine Orgie!

Orgie
Ey, ich bin natürlich voll die Jungfrau!

Grundlegend gilt aber: Desto besser du den Feiertag erklären kannst, desto eher kaufen dir die Lesser die Bräuche ab. Egal wie verrückt sie sind.

D: Der gesellschaftliche Umgang

Wer schon mal das Real Life betreten hat, wird genau wissen: Manche Leute sind eher von Festen und Traditionen angetan als andere. Manche interessieren sich überhaupt nicht für den Weltfrauentag, während andere tatsächlich Feste feiern. Manche sehen Weihnachten als Fest der Liebe, andere als Fest des kommerzgeilen Kapitalismus. Und was Singles zum Valentinstag denken, darf aufgrund des Jugendschutzes nicht hierreingeschrieben werden.

Wie stark sich eine Gesellschaft einem Tag widmet, sagt vieles über die Welt aus, die du erschaffen hast. Wir ein Tag von allen gefeiert, so verrückt die Rituale auch sind, so ist ein enge Verbundenheit zu Tradition zu spüren. Ist Religion ein großer Faktor in der Welt oder nicht? Was genau sagt es über eine Person aus, wenn sie dann nicht feiert? Was genau sagt es über ein Land aus, das ein Fest zur Pflichtveranstaltung macht? Wie reagieren außenstehende auf die Bräuche? Sind sie süß? Oder doch zu extrem?

Ritual
OMG, voll süß, oder?!

——

Wie siehst es mit euch aus? Zieht ihr Feste und Feiertage in euer Worldbuilding mit ein? Oder sind die euch nicht spannend genug? Welche Feiertage habt ihr erfunden? Welche Bedeutung hatten die für die Welt? Welche für euren Plot? Wie habt ihr Weihnachten überstanden? Und warum stelle ich hier so viele dumme Fragen?

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Ein Gedanke zu “Worldbuilding – Feiertage

  1. Ich finde es toll, dass du diesen Eintrag geschrieben hast, wo ich doch gerade an einer Geschichte plane, in der Feiertage tatsächlich mal eine Rolle spielen. Der Kreativität sind dabei wirklich keine Grenzen gesetzt, aber wie du sagst, sollte man sich auf Feste beschränken, die für die Story auch wirklich wichtig sind – oder eben die Story den Feiertagen entsprechend umformen. Und sich Gedanken wegen des Ursprungs und der Rituale zu machen, kann sehr spaßig sein 😀 (hustOrgiehust. Kommt bei mir tatsächlich vor :P)

    In diesem Sinne, frohe Weihnachten!

    Gefällt 1 Person

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