Worldbuilding – Feiertage

Hohoho! Hereinspaziert, es ist Weihnachten! Und ihr wisst genau, was das heißt! Holt die roten Klamotten raus! Verkleidet euch als Weihnachtsmann! Setzt euch Kinder auf den Schoß und lasst euch von Eltern fotografieren, wie ihr sie anfasst, während sie weinen.

Creepy Santa
Eine Zuckerstange gibt es gratis dazu!

Aber um mal auf ein Thema zu kommen, was nichts mit meiner erneuten Verhaftung zu tun hat: Weihnachten. Achja, das Fest der aufgezwungen Liebe. Freut ihr auf die tausend Fragen, warum ihr noch keine Enkelkinder erzeugt habt oder warum ihr noch Single seid? Wollt ihr nicht auch Cousin Stefan wiedersehen und sein erfolgreiches, stabiles Erwachsenenleben betrachten? Seid ihr auch so aufgeregt, so zu tun, als ob das Geschenk unglaublich toll ist? Gott, ich weiß, ich bin es.

Present
„Hehe. Als ich die Socken sah, musste ich halt sofort an dich denken!“

Offensichtlich hat Weihnachten eine starke Wirkung auf uns. Wir freuen uns auf die Zweisamkeit mit unseren Liebsten, wir haben fast einen ganzen Monat gefüllt mit Vorfreunde und manch einer beschreibt die Stimmung als „weihnachtlich“. Kaum zu schweigen von den Ritualen… Weihnachtsbäume, Geschenke, ein imaginärer Freund für die Kinder und Menschen, die sich gegenseitig die Schuld zuweisen, bis einer heult… alles ist dabei.

Verschiedene Feiertage haben für vielerlei Menschen unterschiedliche Bedeutungen. Für manche ist es ein Moment, mit seiner Familie zusammenzukommen und eine schöne Zeit zu haben. Für andere ist es oberflächlicher Quatsch, den sie durchstehen müssen. Für uns Autoren ist das wundervoll. Wir können nämlich Feiertage dazu verwenden, unsere Charaktere näher zu beleuchten.

Belichten
Geben Sie es zu! Sie mögen den Valentinstag!

Kinderserien und Sitcoms haben oft Folgen, die auf bestimmte Feiertage abzielen, um oftmals die altbackene Moralen beizubringen, wie „niemand ist zu alt für Halloween“ oder „legt euren Familienhass am Weihnachten beiseite“.

Literarische Geschichten, die in der realen Welt spielen, tendieren hingegen merkwürdigerweise dazu, Feiertage auszulassen oder die ganze Geschichte auf den Feiertag zu beschränken. (Hach, Ebenezer Scrooge. Du wirst uns wohl nie los.)

Warum ist das so? Nun, zum einen haben Bücher ein anderes Format als Serien. Serien können sich Abstecher in Festtage erlauben, weil Folgen nicht zusammenhängend sind und ein Feiertag-Plot auf eine Folge begrenzt sein kann, ohne den Rest zu stören.

Bücher hingegen müssen von vorne bis hinten stimmen. Solange der Feiertag keine Funktion für den Gesamtplot erfüllt, hat er wenig Berechtigung erwähnt zu werden. Ach, wir müssen einen Mörder fangen? Das muss leider warten, ich feier gerade Ostern. Wir wollen eine Revolution anführen? Zu schade, meine Frau will, dass ich Valentinstag zu Hause bin. Diese Sachen lenken ab, sie sind langweilig, niemand will sie lesen.

Eine guter Planer kann jedoch die Feiertage für mehr Konflikt benutzen: Ein Mörder, der in einer beliebten Verkleidung durch die Massen streift, kann in einer Halloween-Party nicht so gut gefasst werden. Eine Revolution, die sich einen bestimmten Feiertag aussucht, hat den Vorteil, dass die Gegner abgelenkt sind und sich stärker an den Tag erinnern können. Kaum zu schweigen von dem Bombenanschlag an Silvester.

Freues Neues
Ähm… Frohes Neues?

Viel interessanter werden Feiertage jedoch erst, wenn man das Reich von Fantasy und Sci-Fi betritt. Auf einmal können sie eine weitere Funktion erfüllen: Worldbuilding.

Die einfachste Methode wäre es natürlich, menschliche Feiertage entsprechend anderes auf die neue Kultur anzuwenden. Es ist dann natürlich nicht mehr Weihnachten sondern plötzlich „Das Fest der Eiskönigin“, welches zufällig fast identisch gefeiert wird wie Weihnachten. Es ist nicht Ostern. Wir verstecken schließlich Swag und nicht Eier. Und es ist nicht Valentinstag, sondern „Ermorde alle Singles“-Tag. Na? Was sagen wir zu dieser Methode?

Langweilig
Genau!

Viel interessanter sind eigen erfundene Feiertage. Solltest du dich entschieden haben, deine Geschichte mit ein wenig kulturellem Pfeffer zu würzen, bevor du dich durch übermäßige Planung aus dem Fenster stürzt, versuche dich daran zu entsinnen, warum Feiertage in der echten Welt existieren.

A: Der Ursprung

Wie zur Hölle ist der Tag entstanden? Seid ihr einer Religion beigetreten, die für den dieser Tag von Bedeutung war? Wurde die Welt da erschaffen? Wurde ein Krieg beendet? Hat dein Bruder Fridolin du diesem Zeitpunkt Spaghetti gegen deine Haare geworfen? Der Ursprung kann noch so unbedeutend sein, solange genügend Leute den Anreiz an dem Tag sehen, um mitzumachen. Der Zeitpunkt, an dem es geschehen ist, ist genauso wichtig: Nur ein fest definierte Zeitspanne kann auch gefeiert werden, sie es jetzt ein bestimmtes Datum oder so etwas Verrücktes wie der dritte Schneesturm nach einem Vollmond. Seltener können auch ortspezifische Eigenschaften als Voraussetzung zum Fest benutzt werden wie zum Beispiel Nomaden-Stämme, die zum dritten Mal einen Wolfsrudel sehen etc.

B: Das Symbol

Was ist das Ziel des Feiertages? Soll das Fest daran erinnern, dass wir alle sterblich sind, und wir jeden Tag auskosten sollen? Ist es ein Zeichen für die menschliche Liebe? Ist ein eine Erinnerung an den Stolz, den Krieg überstanden zu haben?

Achtung! Manchmal hat ein Feiertag kein Symbol (oder es ist nicht klar definiert). Feiertage wie Halloween sind weniger durch die Bedeutung berühmt geworden, als vielmehr durch die Praxis. Es kann aber auch gut sein, dass manche Menschen ihre eigene Bedeutung in dem Fest sehen… wie zum Beispiel unbeschwerten Spaß.

Spaß
„Unbeschwerter Spaß“

C: Die Rituale

Eng verbunden mit dem Symbol stehen die Traditionen, die man für den Feiertag erschaffen hat. Meistens ist er eng mit dem Symbol verbunden, manchmal aber auch gar nicht. Je weiter dabei der Ursprung liegt, desto vielseitiger werden die Bräuche und desto weniger haben sie mit dem Ursprung zu tun. (Zum Beispiel: Der Weihnachtsmann). Ein Symbol kann vieles in Gedanken rufen. Liebe kann Geschenke hervorrufen oder sich mit Herzchen bemalen und rosafarbene Zuckerwatte in die Gegend werfen. Stolz kann euch dazu verleiten, einen Kampf auf Leben und Tod durchzuführen. Als Zeichen der Fruchtbarkeit können neue Ackerflächen bepflanzt werden… Oder man feiert einfach sofort eine Orgie!

Orgie
Ey, ich bin natürlich voll die Jungfrau!

Grundlegend gilt aber: Desto besser du den Feiertag erklären kannst, desto eher kaufen dir die Lesser die Bräuche ab. Egal wie verrückt sie sind.

D: Der gesellschaftliche Umgang

Wer schon mal das Real Life betreten hat, wird genau wissen: Manche Leute sind eher von Festen und Traditionen angetan als andere. Manche interessieren sich überhaupt nicht für den Weltfrauentag, während andere tatsächlich Feste feiern. Manche sehen Weihnachten als Fest der Liebe, andere als Fest des kommerzgeilen Kapitalismus. Und was Singles zum Valentinstag denken, darf aufgrund des Jugendschutzes nicht hierreingeschrieben werden.

Wie stark sich eine Gesellschaft einem Tag widmet, sagt vieles über die Welt aus, die du erschaffen hast. Wir ein Tag von allen gefeiert, so verrückt die Rituale auch sind, so ist ein enge Verbundenheit zu Tradition zu spüren. Ist Religion ein großer Faktor in der Welt oder nicht? Was genau sagt es über eine Person aus, wenn sie dann nicht feiert? Was genau sagt es über ein Land aus, das ein Fest zur Pflichtveranstaltung macht? Wie reagieren außenstehende auf die Bräuche? Sind sie süß? Oder doch zu extrem?

Ritual
OMG, voll süß, oder?!

——

Wie siehst es mit euch aus? Zieht ihr Feste und Feiertage in euer Worldbuilding mit ein? Oder sind die euch nicht spannend genug? Welche Feiertage habt ihr erfunden? Welche Bedeutung hatten die für die Welt? Welche für euren Plot? Wie habt ihr Weihnachten überstanden? Und warum stelle ich hier so viele dumme Fragen?

Projekte und Gedankenfetzen

Nach ich den Beitrag von der lieben, netten und mich versklavenden Otterfly gelesen habe, habe ich festgestellt, dass ich in zukünftigen Projekten nur so schwimme. Wohin ich auch hinschaue, erinnert mich ein Gegenstand an eine Geschichte, die ich noch schreiben muss. Und während ich schreibe (oder auch nicht) kommen einem nun mal tausende Ideen für neue Geschichten… Du willst bestimmt an ihnen teilhaben, oder?

„Nein, ich will lieber deine Schreib-Bila-“

Duct Tape

Ich wusste, du hast Interesse!

Der Mörder Gottes

Okay, das ist gemogelt. Es ist kein zukünftiges Projekt, sondern das Buch an welchem ich gerade arbeite. Ziel für die Vollendung ist spätestens nächstes Jahr oder Frühling 2017. Der Plot verfolgt einen Jungen namens Markus, der mit Hilfe magischer Fähigkeiten versucht, einen Serienkiller zu fassen.

7 Tage in Elesdé

Diese Kurznovelle wird nach Der Mörder Gottes in Angriff genommen oder wird als Notfallprojekt zwischendurch bearbeitet. Das Brainstorming ist natürlich immer aktiv und mittlerweile kommt es dazu, dass es zu viele Ideen gibt, die ich nicht umsetzen kann. Elesdé ist eine meiner wohl skurrileren Welten, die ich in meinem Kopf erschaffen habe. Es ist eine Welt, in der lebendige Figuren durch eine fliegende Fabrik erschaffen werden und innerhalb 7 Tage wieder sterben, sollten sie zuvor nicht umgebracht werden. Als Puder, das Mädchen aus Sand, auf die Welt kommt, wird ihr schnell bewusst wie kurz 7 Tage sein können und macht sich somit auf die Suche nach dem Spinnenturm, in welchem das Geheimnis des längeren Lebens stecken soll.

Seelenschlitzer

Ebenfalls eine eher kürzere Novelle, welche sich in einer mittelalterlichen Fantasywelt abspielt. Es verfolgt einen Mann, dessen Leben durch einen Unsterblichkeitszauber gerettet wurde. Leider funktionierte dieser genau richtig und so verbringt er den Rest des Lebens gesund und munter, während die Sehnsucht nach dem Tod immer größer wird.

Bitania

Ein Dreiteiler oder auch „Das Buch, was ich unbedingt schreiben möchte“. Wer meinen Blog aufmerksam mitverfolgt und mich dafür verurteilt, dass die Regelmäßigkeit der Beiträge etwas abgenommen hat, weiß, dass ich dieses Buch bereits begonnen hatte und es mittlerweile pausiert wurde, weil der Plot in die Leere geführt hatte. Nach intensivem Grübeln und Hilfe von außen habe ich jedoch mehr Vertrauen in diese Geschichte bekommen und werde sie weiterführen.

Korrektur
Natürlich mit Korrektur.

Memoria

Diese Geschichte zählt wohl eher zu den Gedankenfetzen, die sich noch nicht besonders manifestiert haben. Die Grundlage dazu bilden Wesen, die durch Berührung, Erinnerungen der Menschen stehlen (oder besser gesagt: auffressen) können. Ich nenne diese Wesen „Hexen“, obwohl sie gänzlich aus Haar bestehen und nicht sprechen können.

Auf den ersten Blick

Definitiv nur eine Grundidee: Ein blinder Mann in einer romantischen Beziehung. Da ich aber weder blind noch wirklich romantisch bin, wird das eher eine experimentelle Sache sein. Wohin die Idee führen wird, wird sich wahrscheinlich erst zeigen, wenn der ganze Rest vorbei ist.

Das waren fürs erste alle Projekte, die namentlich erwähnt werden konnten. Beachtet, dass jedes Werk nur Arbeitstitel besitzt und sich Informationen zu den Geschichten mit der Zeit ändern können. Seid aber versichert, dass ich hart und gewissenhaft arbeiten werde, um sie zu vervollständigen. Ich werde schwitzen. Ich werde bluten.

Me
Ich werde derpen.

——

Wie siehst es mit euch aus? Wie viele Projekte habt ihr gerade in eurem Kopf rumschwimmen? Was sind ihre Grundideen, was ist der Plot? Wann wollt ihr sie schreiben? Schreibt ihr mehrere Projekte gleichzeitig oder nacheinander? Und warum stelle ich hier so viele dumme Fragen?

 

Eine Frage der Motivation: Set fire to your friend

Ach, Adele. Du warst so nah dran an meinem Titel… Warum konntest du nicht diese zwei kleinen Wörter verändern? Warum?!

Was?, fragst du. ZombieBabyHitler lebt noch? Aber er hatte doch letzte Woche keinen Beitrag gemacht! Was ist passiert? Wird das Universum neu definiert? Reiten Nazis auf Dinosauriern durch die Gegend? Ist Twilight auf einmal gut?

Schafe
Nein, die Glitzerszene ist anscheinend immer noch drin.

Ich sollte solche Witze nicht machen. Ansonsten denkt ihr, ich habe das Buch so sehr gemocht, dass ich mir die Szenen merken kann, obwohl ich eigentlich Google benutzte. Ach, Google. Du bist meine Lieblings-Ausrede ( ruf mich an 😉 ).

Aber egal, letzte Woche haben mich Viren, Bakterien und Studienarbeiten von einem zufriedenstellenden Beitrag abgehalten, deswegen komme ich heute frisch geputzt und hochmotiviert, um euch den heißesten Tipp für die Motivation zu geben, den ich kenne:

Verbrenne jemanden!

Feuer
Abgebildet: ZombieBabyHitler schafft Motivation!

„Hä?“, fragst du verwirrt und tippst 110 auf deinem Handy. Ich nehme dir dein Handy weg und stecke dir langsam einen Geldschein in die Brusttasche. „Aber das ist Monopoly-Papier!“, widerst du ein. „Ja“, sage ich mit verführender Stimme. „Wo das herkommt, gibt’s noch mehr.“

Natürlich sollst du nicht wirklich deine Freunde verbrennen. Davon würde ich dir abraten, sie werden deswegen ständig rumnörgeln (Sorry, John! Ich herz dich?). Außerdem gehen dir irgendwann die Freunde aus, bei denen du das machen kannst. Was ich mit verbrennen meine, ist eher: Erzähle jemandem deine ganze Geschichte.

MINDFUCK
Die Hälfte meiner Leserschaft ist bei dem Vorschlag gestorben.

„Aber- Aber, wenn die das Buch dann lesen, ist es doch gar keine Überraschung mehr“, sagst du. „Sie werden jeden Twist einfach akzeptieren, ohne dass ihr Hirn explodiert. Und ich mag es, wenn ihr Hirn explodiert. Das ist meine Lieblingsstelle!“

„Ja, ich weiß“, sage ich und streichel dir viel zu lange über den Rücken. „Aber es ist ein Opfer, das du eingehen musst.“

Überleg dir mal… Du schreibst eine Novelle und erzählst niemanden, was für einen Twist du geplant hast. Ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass du dich ständig fragen wirst, ob der Twist in das Buch passt. Du wirst dich dauernd fragen, ob der Twist überhaupt eine gute Idee war und ob du nicht lieber einen anderen nehmen solltest. Du wirst dich fragen, ob das überhaupt als Twist zählt oder Leute das einfach als Gegebenheit akzeptieren. Du wirst dich fragen, ob dein Investment lohnenswert ist. Nur weil du deine Geschichte gut findest, werden sie andere ja nicht gut finden…

Und je länger dir diese Gedanken im Kopf rumspucken, desto eher wirst du zu dem Schluss kommen, dass alles, was du geplant hast, nicht zufriedenstellend ist. Irgendwas fehlt da. Die Leser werden es nicht mögen. Was fehlt da? Keine Ahnung. Wer soll dir helfen? Du allein bestimmt nicht. Bevor du dich versiehst, bist du von deiner Geschichte gar nicht mehr so überzeugt wie vorher… Und wer möchte schon auf etwas zu arbeiten, was einen nicht zufrieden stellt?

Student
Ach ja! Studenten!

Deswegen ist das Verbrennen erschaffen worden.

Wenn du jemanden verbrennst, das heißt, ihm deine ganze Geschichte erzählst, wirst du all diese Fragen stellen können. Der Verbrannte kann dann überprüfen, ob dein Selbstzweifel berechtigt ist oder ob der Plot wirklich so affengeil ist, wie du es erhofft hattest.

Reaktion
Abgebildet: Mein Kritikpartner wird verbrannt.

Das Gute daran ist, dass diese Person immer überprüfen kann, ob du dich gerade in die Richtung bewegst, in die du dich bewegen wolltest und ob etwas nicht vielleicht zu offensichtlich beschrieben wurde. Sie kann dir Tipps geben, wo du noch Hinweise verstecken kannst und ob das Verhalten der Charaktere im Hinblick auf die versteckte Information Sinn macht. Und wenn du bei dem Mittelteil ratlos in die Luft starrst, hast du einen Partner, mit welchem du brainstormen kannst.

Und glaub mir, wenn ich dir sage, dass das Motivation schafft. Wenn die Selbstzweifel beiseite geräumt sind und du weißt, dass der Twist bzw. die ganze Geschichte zumindest eine Person von den Socken hauen kann, wirst du wie durch magische Hand dazu bewegt, dein Buch weiter zu schreiben.

Comic Sans
Abgebildet: Die magische Hand.

Wie siehst es mit euch aus? Habe ich es euch schmackhaft gemacht, jemanden zu verbrennen? Wollt ihr immer noch die Polizei rufen? Erzählt ihr einem Vertrauten von eurer Geschichte oder behütet ihr sie wie euren Augapfel? Wie geht ihr mit dem Verlangen um, mit jemandem über eure Geschichte zu reden? Und warum stelle ich hier so viele dumme Fragen?

Werdegang eines Zombies

Hey, weißt du was richtig langweilig und unnötig wäre? Richtig! Eine Geschichte über mich!

Franky
Ich wusste, du würdest dich freuen!

Du fragst mich, ob das wirklich sein muss, und ob wir nicht einfach ein interessanteres Thema auswählen können. Ich streichele dir nur behutsam über den Kopf und lege dir das Klebeband auf den Mund.
Keine Sorge, du willst es doch auch.

Meine Schritte zum Hobby-Autor waren so hart und steinig wie der Durchfall deiner Großmutter. Ich hatte schon einiges angeschnitten, als ich mich hier ausgejammert hatte.

Angefangen hatte es früh. Vierte Klasse? Dritte Klasse? In der Gebärmutter? Bei kreativen Aufgaben war ich immer gewollt, meine eigene Vision auf Papier zu bringen, wenn wir die Wahl hatten und meine Vision war immer groß und voller Wendungen! Kennt ihr das Schulbuch ‚Rennschwein Rudi Rüssel‘? Die Geschichte über ein süßes Rennschwein? Meine Version enthielt solch traumatische Sachen wie einen hochkaratigen Polizeieinsatz, Verrat von guten Freunden und einen Mann namens Ralf.

Rennschwein
Es weicht nur dezent vom Original ab.

Dann kam irgendwann meine RPG-Phase. Wie gesagt… Darüber hatte ich mich schon hier ausgejammert. Long story short… Neue Freunde, schlechtes Plotting, Koks und Nutten.

Als ich dann mit meinem ersten Werk „Das Buch der Göttin“ angefangen hatte, durchlebte ich gerade meine total dramatische Emo-Teeny-Phase (nicht wirklich).

Emo
You don’t understand. Their life is high-contrast pain.

Ich würde sagen, dieses Buch hat mir das Schreiben erst so viel näher gebracht. Plötzlich waren es nicht mehr Kurzgeschichten sondern seitenlange, spannende Erzählungen mit viel Komplexität (nicht wirklich). Und wie jeder Autor bin ich mit dem ersten Buch total gegen die Wand gefahren. Aber ich habe überlebt!

Dead
„Überlebt.“

Ab da fing ich an, jeglichen Ratschlag im Internet durchzuarbeiten. Jegliches Detail zum Plotaufbau, jegliches Detail zum Pacing, zur Charakterentwicklung, und und und. Man könnte sogar ich sagen, ich habe… gelernt.

Dann begann mein zweites Projekt, welcher den total langweiligen Arbeitstitel „Bitania“ trug. Aufgrund eines Vorschlags von einem twerkenden Hintern (äh, ich herz dich?) wurde es dann zu „Rape People Good“. Und zwei Jahre später kam ich dann auch aus der Psychiatrie raus.

Psycho2
BETA MEIN SKRIPT!

Und jetzt bin ich hier. Mit meinem dritten Projekt, welches den Namen „Der Mörder Gottes“ trägt. Welches bestimmt nicht einfach so abgeschoben wird wie der Rest… vielleicht.

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Wie siehst es mit euch aus? Welche Meilensteine fallen euch in eurem Werdegang ein? Hattet ihr ein bestimmtes Erlebnis, was euch zum Schreiben gebracht hat oder fing es irgendwie so an? Habt ihr, wenn ihr zurückschaut, eine große Entwicklung durchgemacht? Und warum stelle ich hier so viele dumme Fragen?

Die Qualen eines Autors – Das ewige Lernen

Lernern? WAS?!

Ich halte dich fest, als du versuchst, vor mir zu fliehen, und fessele dich an einen Stuhl, der dich wie ein vereinsamter Ex-Freund umarmt.

Stuhl
Trägt der Stuhl eine Waffe oder freut er er sich nur, dich zu sehen?

Lass mich dich über etwas aufklären, was dir kein Zweiter sagen wird. Wenn du jemals in deinem Leben auf die Idee kommst, ein Buch zu schreiben (oder überhaupt eine kohärente Geschichte), schubst du dich in einen Strudel voller Informationen. Er wird dich immer tiefer und tiefer einsaugen, bis du alle Wikipedia-Artikel auswendig kannst.

Nerd
Behold your future!

„Das kann doch gar nicht so viel sein!“, sagst du und zählst die schreibtechnischen Fähigkeiten auf, die du dir bereits angeeignet hast. „Show, don’t Tell, authentische Dialoge, Foreshadowing…“ Glückwunsch, dass du diese kannst, da bist du vielleicht einigen Leuten vorraus. Aber kannst du dein eigenes Werk richtig auseinander nehmen? Kannst du dich selbst kritisieren? Hast du bereits gelernt, wie man mit Kritik umgeht? Kannst du schon richtig Editieren? Und richtig Publishen? Kannst du deinem Lieblingsverlag eine super Nachricht schreiben, die dich unwiderstehlich macht oder schreibst du nur: „Ich hab n Buch geschreiben loluz! Nimm mich. (Plz)“ Wenn du das noch nicht kannst… Herzlichen Glückwunsch, willkommen auf der Straße des Schriftstellers.

Lernen
Iiih, da steht das L-Wort!

Du dachtest wahrscheinlich, sobald du schreiben kannst, ist dir der Erfolg gewiss, was? Nun, ignorieren wir mal die Tatsache, dass man sich im Schreiben IMMER verbessern kann, dann ist das immer noch nichts im Vergleich dazu, was noch auf dich zukommt. Schreiben ist die sichtbare Spitze des Gletschers… und der ganze Rest? Das riesige, massive Stück unter der Wasseroberfläche.

Klimawandel
Und hier haben wir eine Metapher, die nach zwei Jahren Klimawandel sinnlos wird.

„Keine Sorge“, sagst du, während du die Einzelteile deiner Psyche wieder zusammenflickst. „Das mache ich alles, sobald das Buch fertig ist.“ Als ich anfange, teuflisch zu lachen, wirst du plötzlich still. Lass mich dir die Informationen vorstellen, die du können musst, um deine Geschichte zu schreiben:

Alles
Und das ist nur ein Bruchteil!

Was meine ich mit Alles? Ich meine damit, du solltest über alles, was du schreibst, eine Ahnung haben. Schreibst du über Weltraumexpeditionen? Bitte, bitte, bitte setze dich mit den Gesetzen des Weltraumes auseinander. Dein Charakter läuft im Mittelalter herum und will sich waschen? Na, eine Badewanne mit einer guten Wasserversorgung wird er wohl nicht haben. Du schreibst eine Geschichte über eine Psychose oder einen tödlichen Krankheitserreger? Dann sei bitte so nett und beschreib es nicht wie eine Erkältung.

Symptome
Deutliche Anzeichen einer Schwangerschaft.

„Aber das betrifft mich nicht!“, sagst du. „Ich schreibe Fantasy! Ich kann da tun und lassen, was ich will.“ Ja, ich gebe dir Recht. Fantasy und Science-Fiction sind ziemlich lose, was Wissen aus der echten Welt angeht, aber du brauchst trotzdem ETWAS. Ob du es glaubst oder nicht, du bist in der echten Welt geboren und besitzt die Logik der echten Welt. Solange du also nicht das genaue Gegenteil unserer Welt erschaffst, werden einige Sachen so funktionieren wie hier. Und wenn das dann unsinnig funktioniert, fällt es auf. Wenn du in einer Fantasy-Welt plötzlich eine Tundra neben einer Wüste liegen hast, dann fällt das auf. Wenn dein Charakter einen Arm verliert und den nächsten Tag ohne Schmerzen durch die Gegend läuft, dann fällt das auf. Das einzige, was Fantasy leichter macht, ist eine Erklärung zu finden, warum es sehr wohl so ist. Vielleicht ist die Tundra ein magischer Geist, der sich mit dem der Wüste duelliert? Vielleicht hat der Heiler die Wunde des Armes behoben? Vielleicht gibt es sogar ein Heilmittel, das die Wahrnehmung betäubt?

Heilmittel
Meine Sponsorverträge haben ein schlechtes Timing.

Es muss einfach Sinn machen… Oder zumindest Sinn innerhalb der Geschichte, die du erzählen willst. Wird es Leuten auffallen, dass die Arbeiterbiene aus dem x-ten Pixar-Film doch männlich ist? Nun, vielleicht weinen die Wissenschaftler kurz drüber und das war‘s. Aber was ist mit dem Sozialgehalt, denn dein arbeitsloser Hauptcharakter in Deutschland bekommt? Uff, da wird es schon brenzliger. Wenn du dich hier als ahnungslos zeigst, vernichtest du nicht nur die Glaubwürdigkeit deiner Geschichte, sondern auch die Anteilnahme deiner Leser. Du musst es lernen. Und Baby, es wird wehtun. Halte schon mal dein Gleitgel bereit.

Gleitcreme
Hahaha, du denkst, das wird ausreichen!

Nach all dem Predigen, was man zu lernen hat, hier ein Lichtblick für alle, die noch nicht angefangen haben. Es wird dir nämlich nichts ausmachen! Gar nichts. Du wirst alles freiwillig und ohne Zwang lernen. Du wirst nicht lernen, weil ich das gesagt habe, sondern du wirst lernen, weil deine Story dir das Interesse gegeben hat „Hmm, wie geht eigentlich das und das?“

Und 20 Wikipedia-Artikel später schaust du auf und kannst dann endlich einen Satz schreiben.

Partey

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Wie siehst es mit euch aus? Habt ihr viele Sachen für euer Buch recherchieren müssen? Wenn ja, was habt ihr bisher alles gelernt? Wenn nein, wie geht ihr mit Thematiken um, von denen ihr keine Ahnung habt? Wo kriegt ihr die Informationen her, die ihr braucht? Google? Interviews? Studium? Deine Mutter? Und warum stelle ich hier so viele dumme Fragen?

Oktober-Bilanz

Ojemine. Erinnerst du dich noch an die Schreibbilanz letzten Monat? Erinnerst du dich noch daran, wie ich mein Ziel verfehlt habe, weil die Uni angefangen hatte? Das waren noch gute Zeiten, oder? Wundervolle Zeiten, ganz richtig! Du applaudierst mir laut und herzvoll, weil ich mein Ziel nicht eingehalten hatte und ich wische mir meine Tränen aus Blut weg, weil ich so gerührt von der Ehrung bin. Du wirfst mir einen Blumenstrauß vor die Füße und ich ziehe die Schärpe an, wo „Miss Universe“ draufsteht, während ich mit meinem Botox-Lächeln in die Kamera gucke.

Botox
Es ist okay. Ich kann mir auch nicht widerstehen.

Aber Spaß beiseite. Was habe ich diesen Monat vorzuzeigen? Tjaha, definitiv nicht viel mehr als letztes Mal.

Oktober-Bilanz
Depression in 3… 2… 1…

Mit ganzen 69 Wörter pro Tag (höhö, 69) habe ich mein Ziel… Moment mal. Was für ein Ziel hatte ich überhaupt? Wo ist der grüne Strich? WO?!

Ganz richtig! Ich hatte mir kein Ziel gemacht bzw. mein Ziel war tatsächlich 0 Wörter pro Tag. Du schaust mich skeptisch an, als ob ich ein Gesetz gebrochen hätte und Tatsache, das habe ich. Es tut mir leid, aber es ist wahr: Mein Ziel war 0.

Thug Life
Baby, I know.

Du fragst dich bestimmt, warum ich mir kein Ziel gesetzt hatte, oder? Nun, die kurze Fassung ist, ich habe dem Lebensabschnitt „Uni“ mehr Priorität zugesprochen. Die lange Fassung ist: Ich musste ein ganzes Fach innerhalb 5 Wochen durchhauen, wobei die ersten 3 ½ Wochen aus Vorlesung + Nachmittagspraktikum bestanden und meine Freizeit daraus bestand, Protokolle zu schreiben. Mein Einkommen ist so weit ins Negative gerutscht, dass ich mir die Abtreibung nicht gönnen konnte und FSK 60 Fetisch-Filme für Kriegsveteranen drehen musste. Währenddessen geisterte ich durch die Straßen, verpasste Kindern ein paar Traumas, wurde von der Polizei festgenommen, kam frei, hab einer alten Dame „Hallo“ gesagt, wurde wieder festgenommen und musste für die Klausur lernen, während mein Zellengenosse Detlef meinen Horizont erweiterte. Bis in die Nacht. Klingt das wie eine Ausrede? Ich hoffe nicht, denn ich habe lange daran gearbeitet, sie absichtlich realitätstreu zu lassen.

Schweine
Abgebildet: Realitätstreu.

Tatsache ist jedoch: Ich wusste schon von Anfang des Monats (bzw. Ende des letzten Monats, wie die Bilanz dort auch zeigt), dass ich nicht zum Schreiben kommen würde. Mein übliches Ziel von 500 Wörtern pro Tag? Haha, bitte! Optimismus ist für Kinder!

500 Wörter pro Tag waren von Anfang an unmöglich gewesen. Selbst 100 erschienen mir da zu viel und das zeigt sich auch. Nichtsdestotrotz habe ich es geschafft, ETWAS zu schreiben.

ETWAS
ETWAS!

Fühlt es sich gut an, dass der Monat so unproduktiv war? Nun, nicht wirklich. Jeden Tag kriecht die Schande hervor und bohrt mir ihre Krallen in meinen Hals. Und dabei habe ich sogar bewusst entscheiden, mein Ziel auf 0 zu setzen. Das einzige, was tröstet, ist die Gewissheit, dass das Studienfach bestanden ist und dass ich Kapitel 1-6 überarbeiten konnte (und du auch Detlef <3). Aber was nützt dem Schreibrhythmus diese Freude? Natürlich nichts (vor allem, weil dieselbe Leier nächste Woche mit einem neuen Studienfach wieder anfängt…).

Gebe ich auf? Haha, nein. Dass Studieren und regelmäßig Schreiben nicht immer Hand in Hand gehen, sollte jedem bewusst sein; das war es mir auch, als ich dem Hobby mit einem großen Ziel beihelfen wollte. Deswegen nehme ich diesen Monat als kleinen Rückschlag entgegen, den jeder (Hobby-) Autor mal hat. Immerhin gibt es einen Lichtblick: Sobald ich mein Studium geschafft habe, sollte mehr Schreibzeit zur Verfügung stehen… Oder?

Freizeit
Oder?!

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Wie siehst es mit euch aus? Habt ihr euer Monatsziel erreicht? Wenn ja, was hat euch angetrieben? Wenn nein, was hat euch abgehalten? Wie schafft ihr es trotz Zeitmangel weiterzuarbeiten? Wie hindert ihr euch daran euch schlecht zu fühlen (ich weiß, ich tue es nicht)? Hattet ihr jemals das Bedürfnis zu schreiben, wurdet aber partout davon abgehalten? Und warum stelle ich hier so viele dumme Fragen?

Schlechter Sex in Büchern

Hereinspaziert, lieber Xaver! Setz dich hin, mach es dir bequem, trinkt ein Glas Wein, während ich die Kerzen anzünde und ‚Careless Whisper‘ einschalte. Wir müssen über etwas sehr Wichtiges sprechen: Sex.

Scream
ABER ICH BIN DOCH NOCH JUNGFRAU!

Bitte, bitte, setz dich wieder! Nimm das Messer weg und entferne dich von den Kondomen. Der Geschlechtsakt ist doch das vollkommen Natürlichste auf der Welt. Die meisten Menschen hatten es (oder werden es noch haben) und die meisten Menschen – ich schaue dich an, Jesus – sind dadurch überhaupt erschaffen worden. Nicht nur das! Es ist außerdem verdammt gesund, verdammt spaßig und verdammt unerreichbar für 70% meiner Leser. [Äh, ich hab euch lieb?]

Und weil es eben so normal ist, Sex zu haben, und weil Bücher zwischen Raumschiffskriegen und Fantasy-Gnomen den höchsten Grad an Authentizität verlangen, wird der Koitus wohl oder übel mal im Storytelling auftauchen.

Witzigerweise ist die Begattung ein sehr schwieriges Thema zu schreiben, obwohl es so natürlich und allgegenwärtig ist. Viel zu oft öffne ich ein Buch und muss über die Absurdität der Wortwahl oder der Länge lachen. Aber woran liegt das? Liegt es daran, dass Liebe machen etwas so privates ist, dass darüber offen zu schreiben, jegliche Natürlichkeit aus dem Schreibprozess nimmt? Liegt es daran, dass die Autoren ihre verrücktesten Fantasien in das Buch schreiben und somit eine total identifizierbare Szene verhindern? Oder liegt es einfach daran, dass die Autoren noch mit niemandem das Kopfkissen geteilt haben und es einfach nicht besser wissen? Macht das alles überhaupt einen Unterschied?

Aber keine Sorge liebe Jungfrauen und Sammler von Geschlechtskrankheiten. Ich – ZombieBabyHitler – habe es (mit Unterstützung von Leuten mit einem Sexualleben) geschafft, die größten Fehler in fiktiven Sexszenen zu identifizieren.

1. Lass mich das machen

Kennt ihr das auch? Ihr seid grad dabei, euch gegenseitig leidenschaftlich zu küssen, die Hände fahren euch gegenseitig durch die Haare und auf einmal wirft sich eine Person aufs Bett und bleibt liegen, bis alles vorbei ist? Nein? Geht es nur mir so?

Also wirklich Leute! Das letzte Mal als ich bei Wikipedia nachgeschaut habe, sind am Lustspiel zwei Personen beteiligt… oder mehr. Warum also geht es dann in Geschichten so oft von nur einer Person aus? Und das meistens von Manne? Was macht die andere Person die ganze Zeit? Liegt sie wie ein totes Brett darunter?

Brett im Bett
Hey, manche Leute mögen es halt eben hart.

Tut mir leid, Autor, aber das ist einfach nicht glaubwürdig. Wenn du weder Tatendrang noch Bewegungen noch Gefühl oder Teilnahme der anderen Person zeigst, dann hat diese Szene keine Berechtigung, da zu sein. Da kann der aktive Partner ja gleich eine Sexpuppe benutzten.

2. Es kommt sehr wohl auf die Länge an

Na, wie lange dauert der leidenschaftliche Gefühlsaustausch denn so bei dir? Nein, Xaver. 0 Minuten ist keine Antwort, die ich akzeptiere.

Spaß beiseite. Wenn jemand die Wahl getroffen hat, einen Beischlaf in dem Buch zu integrieren, dann sollte sie auf keinen Fall zu kurz sein. Was ist zu kurz? Naja, ein Satz als vage, story-unrelevante Andeutung ist ok, aber wenn es dann wirklich um die Wurst geht (höhö, Wurst), dann sollten mindestens einige Szenen dafür verschwendet werden.

Das hat natürlich eine böse Kehrseite: Jede Szene kann auch zu lang sein und bevor man sich versieht, gibt es 50 Seiten voller Stellungswechsel und Gestöhne. Wie im echten Leben.

Rough Sex
Doesn’t matter. Had Sex.

Haltet es realistisch! Vögeln dauert nie so lang wie meine Maniküre. Wenn ja, hat sie vielleicht so wenig Substanz, dass man sie ganz weglassen kann.

3 Hier und jetzt!

Nein, Xaver, du darfst jetzt nicht einfach mit mir pimpern. Es ist alles eine Frage des Timings. Timing.

Es gibt immer eine perfekte Zeit und einen perfekten Ort, um das Rohr zu stopfen, aber es ist definitiv nicht dann, wenn der andere Plot (lies: Der Hauptplot) kurz vor dem Klimax steht.  Die Mutter ist vor kurzem gestorben? Zeit zum Knattern! Wo genau? Am besten neben dem Grabstein! Wir wurden fast von Zombies getötet, weil wir im Bett waren? Hey, lass es uns gleich nochmal versuchen! Ach, der böse Overlord will die Welt zerstören und wir haben wenig Zeit? Unsinn! Für Liebe ist nie zu wenig Zeit!

Ofensex
Sie hätten weglaufen können, aber das Vernaschen war wichtiger.

Hut ab an Romanzen-Bücher. Bei denen klappt das für gewöhnlich viel besser (oder auch nicht), einfach weil, die Körper zu vereinigen, zum Hauptplot gehört. Was die Zeit angeht zumindest. Solltet ihr in einem Kindergarten Doktor spielen, dann fürchte ich um eure psychische Gesundheit.

4. Den Mund nicht vergessen

Lass das Gelächter, Xaver! Es geht hier nicht wieder um das, was du denkst. Es geht hier, um das Herzstück des Geschlechtsverkehrs: Miteinander reden.

Ich weiß, ich weiß. Wenn du die Ziege in den Stall bringst, redet niemand mit dir, bis du fertig bist, und das einzige, was dir gesagt wird, ist immer: „War’s das schon?“ (Oder bin ich der einzige?).

Dialoge sind für jede Szenen wichtig, weil sie Gedanken und Empfindungen der Charaktere perfekt wiedergeben können, ohne meterlange Beschreibungen davon zu haben, wie „glücklich“, sie sich gerade fühlen. Warum also hier darauf verzichten? Ist es nicht besonders wichtig in der intimsten Tätigkeit, das Innenleben wiederzugeben?

Natürlich gibt es hier ebenfalls die Kehrwende: Charaktere, die einfach nicht ihren Mund halten wollen. Sie reden laut und stöhnen heftig, aber sagen sie damit etwas über ihr Innenleben aus, was interessant ist oder es authentisch darstellt? Ich glaube nicht.

Versucht euch vorzustellen, was eine echte Person dabei sagen würde. Würde sie nur rumstöhnen und den anderen Charakter ignorieren? Wenn ja, wie würde der andere reagieren? Was sagt das über ihre Beziehung aus? Solltet ihr Probleme haben, euch diese Sachen vorzustellen, schaut euch einfach ein paar Profi-Schauspieler im Internet an.

Stroh
Warum liegt hier überhaupt Stroh rum?

5. Talk dirty to me

Die wahrscheinlich schlimmste Sünde, die man einer jeden Szene antun kann. Vulgäre Begriffe. Ich kann dir gar nicht sagen, wie oft ich eine Sexszene überfliege und die furchtbaren Wörter „Schwanz“ oder „Fotze“ lesen muss. Drei Mal darfst du raten, was mein erster Gedanke dabei ist.

Klokotzen
Richtig!

Keine andere Art von Szene hat so eine vorsichte Wortwahl nötig wie die intimen Szenen der Kopulation. Und das allerletzte, was man da hören will, sind Wörter, die man im Ghetto, in schlechten Pornofilmen oder in der Schule erwartet. Nein! Weg mit „Muschi“. Nichts mit „Ficken“. „Heiße Spalte“?! WAS?!

Bitte, Leute. Als nächstes werden noch solche Wörter wie Venushügel den Weg in Bücher finden.

Venushügel
Was zum Fick?!

Ich verstehe, wie schwer es ist, die richtigen Wörter für Penis oder Vagina zu finden, ohne dass es klinisch klingt. Aber wenn das nicht möglich ist, tust du das, worin Autoren am besten sind: Es umschreiben!

Mehr dumme Fehler

Haha! Und du dachtest schon, das wäre alles, was? Tjaha, dann hast du aber nicht damit gerechnet, dass dies hier ein Kooperationsbeitrag wird. Ach, du brauchst doch nicht weinen, Xaver! Writing Bluebird ist eigentlich ganz nett, solange sie keine Leute umbringt. Ich übergebe dich an ihre Liste. Wenn du nicht wiederkommst, entziehe ich mich jeder Haftung!

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Wie siehst es mit euch aus? Habt ihr euch jemals so über eine Sexszene lustig gemacht, weil sie schlecht geschrieben war? Habt ihr selber schon mal versucht, eine zu schreiben? Was fiel euch leicht? Was fiel euch schwer? Erkennt ihr einige Fehler davon in eurer Texten oder sogar Büchern, die ihr gelesen habt? Wie viele weitere dumme Synonyme für Sex könnt ihr finden? Und warum stelle ich hier so viele dumme Fragen?